Samstag, 3. März 2018

Wanhat

 (English version and pictures below!)

Vor etwa drei Monaten haben sich alle Elftklässler unserer Schule in der Turnhalle versammelt. Ein bisschen neugierig, vielleicht ein bisschen nervös, haben wir auf die beiden Sportlehrer gewartet. Als sie mit großen Lautsprechern gekommen sind, haben sich Paare gebildet und hinter den Lehrern aufgereiht. Und dann haben wir angefangen zu tanzen. Oder es zumindest versucht. Es hat bestimmt fünf Minuten gedauert, bis mein Partner und ich überhaupt herausgefunden haben, wie wir unsere Hände zu halten haben. Und dann haben wir unsicher und stolpernd versucht die Schritte der Lehrer nachzumachen.

Viele Wochen und Tanzstunden später sind alle in Kleidern wie Prinzessinen, den schönsten Frisuren und Fracks und weißen Handschuhen in die diesmal geschmückte Turnhalle eingetreten und haben 11 traditionelle Tänze und einen selbst ausgedachten Tanz präsentiert. 

Was das alles ist? Wanhat, übersetzt "die ältesten", ist der Prom der Finnen, nur dass es sich ziemlich zu dem Prom unterscheidet, den man kennt. Wanhat tanzen die Eltfklässler, nachdem die Abiturienten ihren letzten Schultag haben, um zu feiern, dass sie jetzt die ältesten an der Schule sind. Wanhat war mit Sicherheit eines der besten Erlebnisse meines Auslandsjahres.

Nachdem sich die Frage "Oh Gott, mit wem soll ich denn tanzen?" als viel einfacher herausgestellt hat, als wir Austauschschüler gedacht haben (am Ende hat einfach irgendjemand dich gefragt, der noch einen Partner gesucht hat oder Freunde von Freunden haben das ausgemacht), haben wir für zwei Monate dreimal 75 Minuten in der Woche in bereits erwähnter Turnhalle verbracht.
Und versucht tanzen zu lernen. Die Laune wechselte immer zwischen "wir werden das nie lernen", "was auf Erden ist das für ein Schwachsinn", "das macht unfassbar Spaß" und "Hilfe, ist  das wirklich schon so bald??", aber alles in allem hatte ich eine richtig gute Zeit in diesem Kurs.
Da meine Gastmama sich mit mir glücklicherweise schon Monate vorher um ein Kleid gekümmert hat, hatte ich diese Sorge nicht mehr.
Doch "Hast du schon ein Kleid? Wie sieht es aus?" war definitiv eine der beliebtesten Fragen unter den Mädchen. Je näher der große Tag kam auch "Gehst du zum Friseur?" und "Was ist mit deinem Make-Up?". Einerseits habe ich immer ein wenig innerlich die Augen verdreht und das alles als ziemlich überbewertet befunden. Aber andererseits habe ich schon Wochen vorher meiner Mama Fotos von meinem Schmuck geschickt und nach Rat gefragt, was ich tragen soll und meine Freundin, die meine Haare machen sollte, halb terrorisiert, damit sie früher kommt und wir länger Zeit für das Styling haben.

Ausgerechnet in der letzten Woche vor dem Tanz sind mein Partner und ich krank geworden und wir haben beide Generalproben verpasst. Aber das hat mir eigentlich nur geholfen, das ganze nicht so ernst zu nehmen und mich mehr auf den Spaß zu konzentrieren.

Am Donnerstag, dem 15. Februuar, schleppte ich mich morgens in die Schule. Denn bevor den Elftklässlern die Bühne - oder Tanzfläche - überlassen werden kann, mussten die Abiturienten natürlich noch einen feierlichen Abgang haben.
Penkkarit heißt diese Feier. Alle Zwölftklässler kommen verkleidet als was auch immer (meine Favoriten: ein Dino oder zwei menschliche Biergläser) in die Schule. Sie müssen den Schulleiter irgendwie zur Schule bringen - hier wurde er thronend auf einem echten Pferd auf den Parkplatz geführt. Dann unterbrechen sie normale Unterrichtsstunden und schmeißen tonnenweise Süßigkeiten. Nach der Abi-Gala, einer Show bei der halbwegs lustige Spiele mit Lehrern und Schülern gespielt wurden oder Preise für den, der am meisten blau macht oder die Fashion Ikone des Jahrgangs verliehen wurden, fahren die Abis auf Trucks weg und zu Grundschulen in der Umgebung, um dort auch Süßigkeiten zu verteilen und vielleicht sogar dem Lehrer von ganz früher zu winken.

Das mit den Trucks habe ich jedoch leider nur aus Snapchatstories mitbekommen, denn wir sind früher gegangen, damit auf jeden Fall genug Zeit bleibt um uns fertig zu machen.
Anne (tuusulaandme.wordpress.com) und ich hatten unsere zwei persönlichen Stylistinnen, die einen wundervollen Job mit unseren Gesichtern und Haaren gemacht haben und auch als Fotografinnen bestens funktioniert haben. Ich habe mich am Ende wirklich nicht so verkleidet gefühlt, wie ich gedacht habe.
Mein Gastvater hat uns zur Schule gefahren, wo auch fast alle anderen schon da waren. Wir haben ein paar Bilder gemacht - die Jungs waren nicht sehr ausdauernd, bei Minusgraden vor verschneiten Büschen zu posieren. Dann hatten wir den letzten Durchlauf, bevor die Zuschauer kamen. Mein Partner und ich hatten so ziemlich alles vergessen und es war mehr so "welcher Tanz kommt jetzt?" "Keine Ahnung, mal sehen was die vor uns machen". Doch es ist besser gelaufen als gedacht.
Nach einer kurzen Ansprache des Schulleiters und Saft aus Sektgläsern, nach dem letzten Mal Nase pudern und nachdem ich mir noch von meiner Familie ein paar liebe Worte abgeholt habe, ging es dann los.
Ganz offiziell sind immer zwei Paare hereingelaufen, die Namen wurden angesagt, es wurde sich verbeugt, beziehungsweise ein Knicks gemacht und alle haben sich für ein Gruppenfoto aufgestellt.
Und dann wurde es ernst. Auch wenn ich mich ziemlich konzentriert habe, möglichst nicht so viel falsch zu machen, hatte ich Spaß und habe nur zwischendurch vergessen zu lächeln.
Am Besten war der Tanz am Ende, der sogenannte Oma tanssi, deren Choreographie ein paar talentierte Menschen entwickelt haben. Die Jungen hatten sogenannte fast glasses in ihren Frack-Taschen und mit Anspielungen auf verschiedene Memes haben wir zu 80er Jahre Hits und Gucci Gang getanzt.
Zum Schluss gab es einen Walzer bei dem man Familie oder Freunde auffordern konnte. Danach haben wir ein paar Bilder gemacht, meine wunderbare Familie hat mir Rosen geschenkt und wir sind unfassbar erschöpft nach Hause gefahren.
Doch das ganze war noch lange nicht zu Ende.
Am nächsten Morgen kam ich in der Schule an, in Jogginghose und T-Shirt, mit unfrisierten Haaren und ungeschminkt. Etwa eine halbe Stunde lang versuchte ich irgendwas aus mir zu machen, was nur halbwegs dem vom vorigen Abend gleich kam. Dann verzweifelte ich und rief meine Freundin an. Zum Glück waren einige meiner Freunde auch schon da und es hat sich mal wieder bewiesen wie toll sie sind. Meine eine Freundin meinte nur, setz dich, ich kümmere mich. Sie hat meine Haare gemacht, während eine andere beruhigende Worte übrig hatte. Und schließlich ist ein Mädchen, was eigentlich im selben Raum ein Nickerchen gehalten hat und mit dem ich noch nie ein Wort gewechselt habe, zur Hilfe geeilt und hat mich geschminkt. Überall wurde gegenseitig Lidschatten aufgetragen, Haare frisiert oder Kleider geschnürt. Es war zwar nicht mehr der große Tag, aber trotzdem würden wir nochmal zweimal tanzen. Einmal für Grundschulkinder und einmal für die Schüler unserer Schule und der zugehörigen Junior High School. Von Tanz zu Tanz haben die Leute weniger ernst ausgesehen und schienen mehr Spaß zu haben, nach den Tänzen wurde teilweise gedabbt, als die Reihenfolge verändert war haben wir nur gelacht und am Ende sind wir mit den Kindern fröhlich herum gehüpft. 
Zwischen dem ersten Tanz um 10 und dem zweiten um 12 konnten wir Mittag essen. Danach mussten wir einer anderen Tradition folgen und einmal mit unserem Partner durchs Lehrerzimmer laufen, den Schulleitern die Hand schütteln und uns vor dem Rest verbeugen. Ich hab nicht wirklich mitbekommen, wieso wir das machen, aber es war sehr förmlich. 
Beim letzten Mal tanzen war ich fast ein bisschen wehmütig, dass es jetzt vorbei ist. Aber als am Ende "Shut up and dance with me" gespielt wurde, Glitzer geworfen und wir uns alle in die Arme gefallen sind war ich auch unglaublich froh, dass es dann vorbei war. 
Danach hatte man die Möglichkeit, zu einem fancy Mittagessen zu gehen, auf das ich aber verzichtet habe. Ich bin ganz gemütlich mit Freunden zu McDonald´s gegangen und dann nach Hause um ein wenig zu schlafen, vor dem endgültigen Abschluss der ganzen Aktion  - jatkot, die Afterparty. Bei einer Freundin haben wir uns fertig gemacht und wurden dann zur Feier gefahren. Es war tatsächlich für eine Weile ziemlich lustig. Die Finnen, die sonst doch reservierter sind, wurden offen, haben plötzlich problemlos Englisch geredet und einen dauernd umarmt, auch wenn man sich vorher noch nicht gekannt hat. Nach einer Weile wollte ich dann aber doch nach Hause.
Ich war unglaublich erschöpft am nächsten Tag, aber es war alles in allem einfach eine einmalige und so schöne Erfahrung. So etwas haben wir in Deutschland nicht und es war einzigartig, hat viele neue Freund- und Bekanntschaften gebracht, es war mal etwas ganz neues und ich werde diese Tage bestimmt so schnell nicht vergessen. 
Ein großes Dankeschön an jeden, der diese Tage so wundervoll gemacht hat. 


***

Approximately 3 months ago all the Second Graders (people from eleventh grade) gathered in the gym. A bit curious, maybe even a bit nervous, we waited for the two P.E. teachers. After they arrived with music speakers, we paired up and built rows behind the teachers. And then we started to dance. Or we tried to. I guess it took me and my partner at least 5 minutes to even figure out how we have to hold our hands. And then we tried following the teachers steps, unsecure and stumbling. 

Many weeks and many dance lessons later, we walked in the exact same gym, that was now covered in glitter garlands and paper snowflakes, the girls wearing the prettiest princess dresses, with most fascninating hairstyles, the boys in tails and white gloves. And we presented 11 traditional dances and one own dance.

So what is all that about? Wanhat, translated the old, is the Finnish prom, except that it is pretty different from the prom you probably know. Wanhat is danced by the Second Graders, after the graduants leave the school, to celebrate that they are now the oldest. Wanhat was definetely one of the best things in my exchange year. 

After the question Oh God who am I dancing with? turned out to be easier than we exchange students thought (in the end someone who was still looking for a partner just asked you or friends of friends arranged it) we spent 75 minutes three times a week for two month in this already mentioned gym hall. 
And we tried to learn how to dance. The mood constantly changed between I will never understand this to What on earth is this? to Well, this is actually quite fun and to Is it really already so soon? but overall I had a really good time in these classes. 
Because my hostmum luckily made sure that I bought a dress months ago, I didn´t have to worry about that. 
But Do you already have a dress? And what does it look like? was for sure one of the most populaar question around the girls. The sooner the big date came, the questions whether you are going to get your hair done professionally and how you are doing your make up also came up. On the one hand I occasionally rolled my eyes (only on the inside) because I thought everything was kind of overrated. On the other hand I sent my mum pictures of my jewellery weeks ago, asking for advice what to wear and I almost begged my friend who was supposed to do my hair to come earlier to my place, so that we would have more time for it. 

Just during the last week before the dance my partner and I were both sick and we missed the final rehearsals. But this actually helped me to not take it too serious and concentrate on the fun I would hopefully have.

On Thursday, the 15th of February, I dragged myself to school. Because before the stage - or the dance floor - could be left to the second graders, the third graders of course have to have a solemn departure. This celebration is called penkkarit and all the abiturients come to school dressed as whatever they want to. My favourites were a dinosaur, beerglasses and these two guys here:

They bring the principal to school - in our case he was lead to the parking lot sitting on a horse. Then they disturb the classes by throwing tons of candy around. After the abi gala, a show where they played more or less funny games with teachers and students or gave prices for being the person who skipped school the most or the fashion icon of the grade, the third graders leave the school on trucks. They drive to the local primary schools, where they also throw candy and maybe even see their teachers from the very beginning. 

Unfortunately I saw the whole truck thing only on Snapchat stories because we left earlier to get ready.
Anne (tuusulaandme.wordpress.com) and I had our two personal stylists, who did a great job with our hair and faces and turned out to be great photographers as well. In the end I didn´t feel as dressed up as I thought I would. I actually felt like myself, and that was really good. 

My host dad drove us to school, where we many others already met up as well. We took some pictures - the boys weren´t that sustained to pose in front of snowy bushes with minus degrees outside. 
the exchange students were the ones whose dresses didn´t match with the other ones, but I guess that was fine



Then we had a last run through before the audience came. My partner and I had forgotten almost everything and our attitude was basically What dance is next? Let´s see what the people in front of us do but it went better than I thought it would. 
After a short speech from the principal, juice out of champagne glasses, a last time powdering the nose and after I got to hear some lovely words from my family it started. 
Two pairs always walked in together, bowed and their names were announced. It was really official.

We lined up for a group picture and then then it got serious. Even though I concentrated on not making too many mistakes, I had a lot of fun and only forgot to smile occasionally. 
The best part was the last dance, so called oma tanssi or own dance, a few talented people came up with the choreography for. The guys pulled fast glasses out of their pockets and with references to different memes we danced to 80´s hits and Gucci Gang. In the end there was a Waltz where you could ask people from the audience to dance with you. 
After all the dancing, we took a few photos more, hugged a lot of people, my wonderful family gave me flowers and we drove home exhausted and tired. 


But it wasn´t over yet. 
I arrived in school the next morning, wearing sweatpants and without any make up. I tried to make something half as fancy as the day before out of me but after half an hour I started to panick, gave up and called my friend. Luckily they were in school too already and it was another prove of how great my friends are. One just directed me to sit down and told me, we got this. She did some magic to make my hair look neat, my other friend had calming words and even a girl I never spoke to before interrupted her nap to do my make up. Everywhere people tied each others dresses, braided hair or applied eyeshadow. 
It wasn´t the big day anymore, but we would dance two more times. One time for the children and teachers from the primary school and one time for our own school and the Junior High School. From dance to dance people seemed less serious. Some started dabbing after the dances and in the end we happily jumped around with the kids. Between the first dance at 10 and the second at 12 we had time to eat. Before the last time we danced we had to follow another tradition and walk through the teacher´s room with our partners and shake the principals hand. 
I almost felt a little wistful, dancing for the last time. But when Shut up and dance played in the end, glitter was thrown and we hugged each other I was also really happy that it was over now.
Then we had the chance to go to eat in a fancy restaurant, which I didn´t do because I thought it was too expensive. I casually ate McDonald´s with friends and then I went home to sleep a little before the very end of the whole thing - jatkot, the afterparty. 
I got ready at my friend´s house and then we went to the party. It was actually really fun for a while. The Finns, who are usually more reserved suddenly became very talkative, spoke English to us without any problems and hugged us, even though we didn´t even know each other´s names. Maybe it was me still being quite sick or me not being used to party anymore, but after some time the only thing I really wanted was to go home and sleep. 
I was so exhausted on the next day, but all in all it was a unique and wonderful experience. We don´t have anything similar in Germany and it was so nice to not only see this part of Finnish traditions, but really be a part of it. It was something that brought a lot of new friendships, I learned completely new things and I definetely won´t forget it that fast (also because my lovely host grandparents taped everything and made me a whole video from the dance)!
A big thanks to everyone who made these days so awesome!



Donnerstag, 25. Januar 2018

Back to the start - Midyear Orientation

(unten ist die deutsche Version!)

Hello everyone,
I hope you´re alright. I´m really good and at the same time really sad. Both due to last weekend, where all the YFU exchange students in Finland had the pleasure to meet for the Midyear Orientation camp.
On Friday morning I took the bus to Helsinki where I met with some of the others and we went to Burger King (because cheap food and enough space for all our backpacks). With the time a lot of other students joined us and it was so nice to finally see them again. Especially the ones who don´t live in Helsinki or around and who I haven´t met since the On Arrival Orientation. After some snack-shopping we went to the bus station where we met the rest of the group. There was hugging everywhere and I immediately felt so happy to be with these people again.
Two busses took us to Anjala, two hours to the East from Helsinki, where we also had our first camp. It was like "going back to the start". Exactly to the place that we spent our very first days in Finland in. Only it was covered in snow now. 
After we´ve arrived and gotten some general information we got our housekeys and cards that showed our name, our country and our schedule for the weekend. There was some time to organize our stuff, but basically we just talked because there was so much to tell each other.
Then we had dinner and after that our first workshop, this time all together and not in the smaller groups we were spereated in. The workshop consisted of the YFU volunteers throwing paper and scissors in the middle and the task "build your exchange year" and us glueing different collages together. And some people were practicing life art by laying on the floor doing nothing "because that´s what exchange students do". Once we were done with that we had some kind of rally to test our Finnish skills and get into the YFU feeling, but actually to talk and be together and fool around. We weren´t quite sure but we thought that one task was to invent some kind of group scream and sadly we never got to present our special shout including Spice Girls and turtles.
The rally lead us to the fireplace where we spent the most of the evening, wih sausages and marshmellows. After our feet got too cold we went to the gym hall and after we had to leave it shortly before midnight, some of the girls gathered in one of the houses to sing happy birthday to one lovely friend.
Back in my own house we sat on the couches, ate candy and talked about everything from Finnish boys to world problems until it was almost half past one. When I fell asleep I had this warm happy feeling, to be exactly at the right place with the right people.
On Saturday morning we started the workshops in small groups after breakfast. The aim of the workshops was basically to make us realize what we have achieved and how we can improve to get the best out of the rest of our year. We drew charts, wrote down what we have given to our host community or analyzed a play by the volunteers to understand that communication is the key. We also had an open space workshop, where we could just walk around and have conversations about different topics.
A really emotional moment was, when we got letters our host families had written to us. They were - unlike our first thought - extremely lovely and it was so touching to read how you found a way into the hearts of a family that was so strange to you six months ago.
The breaks where spent playing "What do you meme?" or, like Sofia (szrsuomi.wordpress.com) said in such a perfect way, just doing nothing together.
In the evening we went to the sauna cottage, for iltapala, sauna and rolling in the snow
After that we we went to the gym hall. I had the feeling that we were even closer than during the arrival camp and I realized once again how much I love these people.
The evening ended in a dodge ball game, another happy birthday (screaming this time), some YFU-pride and a group hug - due to some people who had too much energy left.
On Sunday we tried to ignore the tiredness and enjoy the last activities. Which for my group included writing a rap about the popular movie "tuntematon sotilas" (the unknown soldier) and shouting no niin occasionally in between. But at lunch you could feel that the mood was down. It was quieter, notebooks for small messages were passed around and some people even shed some tears.
Our last workshop was full of a mixture of emotions. Memories, when we got back the letters we wrote ourselves in the beginning of our year. Honesty, downcast and also acceptance when we had to write down the three worst experiences we had during the exchange. And fun, when we got to match name tags, hostcountries and age to the teamers.
And then it was already time to go back on the bus. I felt like we didn´t have enough time together, but then again I don´t know if any time would be enough. But we also didn´t really have time to say goodbye to each other, which was sad, as it was the last time we would all for sure be together.
Back in Helsinki a big part of the group went to Burger King again, because we weren´t quite ready to go home yet.
Being in Anjala, surrounded by fellow exchange students and volunteers kinda feels like being on an island. We are young people from all over the world, we are so different - but there´s this one big thing that connects us. We are all exchange students in Finland, all trying to learn this language, all struggling sometimes, all alone in a strange country. Having something like that in common makes us like a huge family and I´m not exaggerating when I say I love all these people with all my heart.
But as sad as it was to leave this island full of love, understanding and support, it was nice to come home. A home where you are expected and the pockets full of new memories and new motivation to live the fullest out of the time we have left.
Thank you to everyone who was there on the weekend. 

Love, 
Lona

***

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe es geht euch gut. Mir geht es sehr gut und gleichzeitig bin ich ziemlich traurig. Beides aufgrund des letzetn Wochenendes, an dem alle YFU Austauschschüler in Finnland an dem Halbzeit-Treffen teilgenommen haben. 
Am Freitagmorgen habe ich den Bus nach Helsinki genommen und dort einige andere Austauschschüler getroffen. Zusammen sind wir zu Burger King gegangen (denn: günstiges Essen und genug Platz für all unsere Rucksäcke). Mit der Zeit vergrößerte sich unsere Gruppe und es war so schön, diese Menschen wiederzusehen. Besonders diejenigen die nicht in Helsinki und Umgebung wohnen und die ich teilweise seit dem Camp am Anfang des Austauschjahres nicht gesehen habe. 
Nachdem wir ein paar Snacks gekauft haben, sind wir zur Busstation gegangen, wo wir den Rest der Gruppe getroffen haben. Überall wurde sich umarmt und ich war augenblicklich so glücklich wieder mit diesen Menschen zusammen zu sein. 
Zwei Busse haben uns in zwei Stunden nach Anjala in Ost-Finnland gebracht, wo wir auch schon unser erstes Treffen hatten. 
Zuerst haben wir allgemeine Informationen bekommen und unsere Hausschlüssel sowie Karten mit unseren Namen, Heimatländern und einem Plan für das Wochenende. Dann hatten wir vor dem Abendessen ein wenig Zeit uns einzurichten, aber eigentlich haben wir nur geredet. Denn es gibt so viel  zu erzählen. 
Nach dem Essen hatten wir unseren ersten Workshop. Alle waren zusammen und nicht in den kleineren Gruppen in die wir aufgeteilt waren und der Workshop bestand aus den Volunteers, die Schere, Zeitungen und Papier in die Mitte gelegt haben, der Aufgabenstellung "mache dein Austauschjahr" und uns, wie wir verschiedene "Kunstwerke" zusammengeklebt haben. Ein paar Leute haben "lebendige Kunst" praktiziert, indem sie auf den Sitzsäcken gelegen und nichts getan haben - also quasi das Leben eines Austauschschülers inszeniert. 
Danach hatten wir eine Art Rallye in kleinen Gruppen um unser Finnisch zu testen und in das YFU-Gefühl reinzukommen. Aber eigentlich nur um weiter zu quatschen und herumzualbern. Wir waren uns nicht ganz sicher, aber wir dachten eine Aufgabe war es, eine Art Gruppenschrei zu erfinden. Leider konnten wir unseren Ruf, der Schildkröten und Spice Girls thematisierte, nie präsentieren. 
Die Rallye brachte uns zu einer Feuerstelle, wo wir den Großteil des Abend verbrachten, mit Würstchen und Marshmellows. Als unsere Füße zu kalt wurden sind wir in die Turnhalle umgezogen und als wir diese um kurz vor Mitternacht verlassen mussten sind einige Mädchen in einem Haus zusammengekommen um "Happy Birthday" für eine liebe Freundin zu singen. 
Zurück in meinem eigenen Haus saßen wir bis fast halb zwei auf den Sofas, haben Süßigkeiten gegessen und über alles - von finnischen Jungs bis Weltproblematiken - geredet. Als ich eingeschlafen bin hatte ich das warme glückliche Gefühl genau am richtigen Ort mit den richtigen Menschen zu sein. 
Am Samstag haben wir mit den Workshops in Kleingruppen nach dem Frühstück angefangen. Das Ziel war zu verstehen, was wir schon erreicht haben und auch zu überlegen, wie wir uns verbessern können, um das Beste aus dem Rest unseres Jahres zu machen. Wir haben Tabellen gezeichnet, aufgeschrieben was wir unser Gastumgebung geben, ein Rollenspiel der Teamer analysiert oder in einer offenen Runde uns über verschiedenste Themen ausgetauscht. 
Ein sehr emotionaler Moment war, als wir Briefe bekommen haben, die unsere Gastfamilien uns geschrieben haben. Im Gegensatz zu unserem ersten Gedanken waren die Briefe sehr liebevoll und es war so schön zu lesen, dass man in den Herzen einer Familie ist, die einem vor 6 Monaten noch so fremd war. 
Die Pausen haben wir mit "What do you meme?" verbracht oder, wie Sofia so schön gesagt hat, einfach nichts zusammen machen.
Am Abend sind wir zum Saunahaus gegangen, für den Abendsnack, Sauna und natürlich im Schnee rollen. 

Auch danach waren wir alle zusammen in der Turnhalle und ich hatte das Gefühl wir waren uns noch näher als bei der ersten Orientation und ich habe wieder einmal realisiert, wie sehr ich diese Menschen liebe. 
Der Abend endete in einem Völkerballspiel, einem weiteren Happy Birthday (mehr geschrien diesmal) und einer Gruppenumarmung - denn ein paar Menschen hatten zu viel Energie übrig. 
Am Sonntag versuchten wir die Müdigkeit zu ignorieren und die letzten Aktivitäten zu genießen. Für meine Gruppe hieß das, einen Rap über den bekannten Film "tuntematon solitas" (der unbekannte soldat) zu schreiben und zwischendurch no niin zu rufen. 
Doch beim Mittagessen konnte man merken, dass die Stimmung gedrückt war. Es war stiller, Notizbücher für kleine Nachrichten wurden herumgereicht und ein paar Tränen vergossen. 
Unser letzter Workshop war eine Mischung aus Emotionen. Erinnerungen, als wir die Briefe zurückbekamen, die wir uns am Anfang des Jahres geschrieben haben. Ehrlichkeit, Niedergeschlagenheit und auch Akzeptanz als wir die drei schlimmsten Erlebnisse unsere Auslandsjahres aufschreiben sollten. Und Spaß, als wir Namensschilder, Gastländer und Alter den Teamern zuordnen sollten. 
Und danach war es auch schon Zeit wieder in den Bus zu steigen. Ich fand, wir hatten zu wenig Zeit einander tschüss zu sagen, denn es war das letzte Mal dass wir sicher alle zusammen sein würden.  
Zurück in Helsinki begaben wir uns wieder zu Burger King, denn wir waren noch nicht wirklich bereit wieder nach Hause zu gehen. 
In Anjala zu sein, umgeben von Austauschschülern und Volunteers, ist ein bisschen wie auf einer Insel zu sein. 
Wir sind junge Menschen aus der ganzen Welt und wir sind so verschieden, doch da ist diese große Sache, die uns alle verbindet. Wir sind alle Austuschschüler in Finnland, wir alle versuchen Finnishc zu lernen, wir sind alle allein in einem fremden Land. Und dass wir diese Sache gemeinsam haben macht uns zu einer großen Familie. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, ich liebe diese Menschen von ganzem Herzen. 
So traurig es war diese Insel aus Liebe, Verständnis und Glück zu verlassen, so schön war es, wieder nach Hause zu kommen. Wo man schon erwartet wurde. Und die Taschen voller neuer Erinnerungen und neuer Motivation, alles aus dem Rest des Jahres mitzunehmen, was geht. 
Danke an alle, die dieses Wochenede so großartig gemacht haben. 

Alles Liebe, 
Lona  

(credits for the pictures go to lore, diego, toni and probably someone else)








Samstag, 13. Januar 2018

Half time update

Today is the 13th of January. It´s my 164th day in Finland. And it marks exactly the half of my exchange year. Yes, just like that almost 5 and a half months are over and in another 164 days I will be sitting on the plane back to Germany. Thinking about that makes me feel a set of the most different emotions and I thought what is a better opportunity to give a general life update than half-time?
They always tell you being an exchange student is like being on a rollercoaster. And I can tell you, I´m really living that rollercoaster life to the fullest during the past months.
There comes a point, I can´t exactly tell when it happened to me, where you lose the rose-tinted glasses and not everything is fine anymore.
I recognized how I started to be annoyed by little things, by certain behaviours of certain people. I realized I wasn´t so eager to integrate anymore. In some moments, when someone was talking Finnish, I just wanted to cover my ears with my hands.
There were days when I thought "I just want to go home" and by home I meant Germany. I meant my family. I meant the people I´ve known for 16 years. I meant the places I´ve grown up in, the place I love.
Probably the best reason for these thoughts is the simple feeling of exhaustion. Because being an exchange student is extremely exhausting.
I am living in another family and no matter how close we are or how much I love them, they are not the people who have known and raised me my entire life and they´re voluntarily offering me a home, without gettig paid back in a material sense. And if I have a bad day, I can´t just go home and beef around, start a senseless fight or yell. Or I mean I could, but I won´t. Because I am too grateful for what they do.
In other situations where something is bothering me, I try to first think about why I feel that way and if it´s actually something that affects me in a bad way or if I just want to be mad about something.
So, being an exchange student means a lot of holding back. It means a lot of smiling and nodding while you´re screaming on the inside, maybe just because you didn´t sleep at all the last night. I don´t convulsivley try to keep my emotions inside, but I´m still more careful with them then I´ve ever been before.
But it also means a lot of room for thinking and reflecting. The actions of others and yourself, the reasons behind them and always the question "but what am I doing, to make this situation better?".
Exchange year means growing up, they also tell you that. But I never thought that it would be so suddenly. There were days, when I didn´t feel so good; nights when it was 3am and I still couldn´t find any sleep or just moments, when there was a weird kind of pain in my body and I wasn´t sure what to do -
In these moments I thought about how stepping on the plane that day in August, I left behind all the possibilities to be a little girl again. Of course I was growing up before and I managed a lot of things on my own. But there was still always this safety that I could crawl into my mums bed when I needed some cuddles in the middle of a sleepless night. I always knew there was my dad who would come and pick me up anywhere and anytime. Everytime I was feeling weak I knew there was someone to  make me some tea or soup, talk to me or just hold me in their arms. Or call the doctor to make an appointment for me when I really was too anxious to do it myself.
Here I feel like I can´t be that kid anymore and sometimes it´s hard. Because at the same time everyone assumes you´re always mature, you lose a lot of freedom you´ve had before. At least I do. Finland is a pretty safe country, I can do a lot of things and my hostparents actually aren´t that strict. But still - I can´t just be like "hey I´m going to that party tonight and I´m staying there. See you tomorrow!". It´s always weighing between what I want, what others want, what is allowed, what is expected, what am I supposed to do...
Accepting that it´s not the same here takes time and will. Not the same habits, not the same rules and not the same people. Especially with the people part I was (or I am) struggling sometimes. Because even though I´m trying not to, I sometimes compare. I think everyone does. My friends here are not and they will never be the same as the friends I have in Germany. My mum is not the same as my German mum. They won´t act or react the same. And I can´t expect them to. But that they are not the same doesn´t mean they aren´t as good. They can be so different and still so great. And isn´t exchange also about hanging out with people you never even would have talked to in the first place?
But this, as dramatic it probably sounds, is only a tiny, tiny part of my year. Even though it´s tiny, I still felt the need to write about it. I don´t want anyone to think that it´s always easy and perfect. It is not and probably no one´s exchange year is, no matter how it seems on the outside. But I am still so lucky and my problems are so small, I don´t even want to call them problems. Everytime I felt absolutely tired of everything, two hours later it wasn´t a big deal anymore. And in the end the good memories are so much stronger.
And besides the really really rare nights where I feel like I don´t want to do this anymore, there is a lot of great stuff happening. This is the time of the year where I really realize who I am close to. I´ve built a lot of really good friendships. With Finns and with other exchange students. I am more than thankful for the other little family I found in my beloved fellow exchange students. Everyone says, you shouldn´t hang out with exchange students so much and befriend local people. Of course you, but no one ever tells you how good it is, to have other exchange students. People in the same situation, who always understand you, who can become the closest friends in such a short time, even though you all come from the most different cultures. I honestly wouldn´t know what I´d be doing without my other foreign friends.
I also start too feel worried about not having enough time to do all the things I want to do and see all the places I want to see. That´s why I am planning some trips and visits for the next weeks. 
My New Year´s Eve was pretty chill, as I spent it with my family. We went bowling and ate raclette and had a pleasant time.
Otherwise I spent a lot of time with my friends during the holidays, at least the time I wasn´t sick. We went ice skating, played pool or just met to play cards and eat. The last weekend of the holidays my family rented a cottage in a sports resort place, one and a half hours from Tuusula. We spent wonderful three days there, eating, swimming, going to sauna and on beautiful walks in the forest. And my new wintershoes survived the two hours marching through the snow (because the path was too icy) without my feet getting wet - so I think they passed the test. 
The weather is still not really cold (compared to what I hear from all the exchange students in the USA/Canada), but luckily the last days the temperature stayed under zero degrees and we had amazing sunny winterdays. 
In school we´re busy practicing the dances for the Wanhat. It´s the prom in Finnish schools, organized for second year students. They celebrate that they´re the oldest ones in school (wanhat), after the seniors graduate. We have to learn 13 different dances, which are not really difficult themselves but can be kind of confusing. Anyhow I´m really enjoying it because learning old traditional dances is such a "once in a lifetime" thing. And even though I feel like all the outfit and getting ready part is a little overrated, I´m looking forward to the "big day".
I finally got a gym membership to feel better about all the Fazer chocolate I´m eating and I joined a theatre project. 
Most of the time I´m in a really good mood and when I play piggy in the middle with my family and laugh so hard I almost drown in the pool or when I look at the sky burning in pink and orange as the sun sets or when I just fall asleep with this deeply happy feeling in my stomach, I know I´m still just right here. 
Being an exchange student is like being on a rollercoaster. It has happened to me that I started crying because I have to leave everything here one day and it hurts so much to know that and 10 min after that I was crying because I missed my German family. 
It´s a rollercoaster but exactly this is what makes it so special. It is what makes you grow and learn. 
And the main thing is, that I know I will get off that rollercoaster one day and I would totally do it all over again.










Dienstag, 26. Dezember 2017

Weihnachten ist die schlimmste Zeit des Jahres... // Christmas is the worst time of the year...

(English version below)

...Zumindest während des Auslandsjahres. Zumindest sagen das alle. So richtig glauben wollte ich das nicht. Jetzt ist es der 26. Dezember, Weihnachten ist quasi vorbei und ich muss sagen, ja und nein. Weihnachten ist weder die schlimmste Zeit, noch ist es sie nicht. Weihnachten ist beides, schlimm und schön.
Während ich, als es im Oktober das erste Mal geschneit hat, angefangen habe Weihnachtslieder zu hören, war meine Stimmung im Dezember nicht so festlich. Wieso, weiß ich nicht genau. Trotzdem habe ich es genossen, mit meiner Familie pipari (Lebkuchen) zu backen, zum Weihnachtssingen in der Kirche zu gehen oder den Baum in rot-gold zu schmücken.
Meine Mama hatte mir einen Adventskalender geschickt und auch von meiner finnischen Familie habe ich sogar zwei (!) bekommen. Heimweh hatte ich die ganze Zeit keines und ich hab gedacht, meine "schlimmste Zeit" kommt wahrscheinlich wann anders. Leider bin ich dann, pünktlich am 23. Dezember, das erste Mal hier richtig krank geworden. Ich hab schon geahnt, dass ich ein bisschen Heimweh bekomme, wenn ich krank werde, aber dass es dann genau auf Weihnachten fallen musste, war natürlich doppeltes Pech. Die Austauschschüler mit denen ich gesprochen habe, inklusive mir, hatten alle diese "hoffentlich geht das schnell vorbei"-Einstellung zu Weihnachten. Am Tag vor Weihnachten habe ich so vor mich hin vegetiert. Zum Glück war meine Familie sehr liebevoll, sie haben immer gefragt, wie es mir geht, mich Nickerchen machen lassen, wenn ich wollte und mein kleiner Bruder hat mir eine Menge extra Umarmungen gegeben. Trotzdem, vor allem weil das krank sein mich ohnehin schon so verletzlich gemacht hat: als meine Mama mir ein Video von deren Weihnachtsbaum geschickt hat, konnte ich ewig nicht aufhören zu weinen. Eine Mischung aus verstopfter Nase, Traurigkeit, nicht bei meiner deutschen Familie sein zu können, Kopfschmerzen und meiner üblichen Schlaflosigkeit ließen mich dann die ganze Nacht nicht schlafen und meinen Heiligabend retteten wahrscheinlich die zwei großen Tassen Kaffee und die Schmerztablette.
Tatsächlich ging es mir, nach meinem kleinen Tief in der Nacht, am nächsten Tag sehr viel besser.
Den Vormittag verbrachten wir gemütlich in unseren matching Christmas pajamas (danke Laura!)mit Weihnachtsfilmen und letzten Vorbereitungen. Das Mittagessen war traditionell Milchreis (ich bin nicht darauf gekommen, dass die Finnen mit "rice porridge" Milchreis meinen und habe erstmal erzählt, ich hätte das noch nie gegessen) und wer die Mandel darin findet, kann sich etwas wünschen. Ich hatte kein Glück, aber ich denke, meine ganzen Wünsche und mehr wurden ohnehin erfüllt.
Nach dem Mittagessen sind wir zum Friedhof gefahren um Kerzen für geliebte Menschen aufzustellen - ein sehr schöner Brauch, wie ich finde. Dann war es an der Zeit für Weihnachtssauna.
Das Weihnachtsabendessen bestand aus Fisch, Kartoffeln, Pasteten, Schinken und einem Salat aus roter Beete, Apfel, sauren Gurken und Zwiebeln. Es war mein erstes traditionelles Weihnachtsessen (da meine deutsche Familie sich Standardtraditionen wie diesen widersetzt und es immer Raclette gibt) und ich habe alles probiert. Ich würde immer noch Raclette bevorzugen, aber es war wirklich sehr gut.
Dann endlich kam brühmt berüchtigter Santa Claus (aka mein kleiner Gastbruder Antti), der sich unser Lied angehört hat und dann die Geschenke verteilt hat - natürlich erst nachdem er sicher gegangen ist, dass wir brav waren.
Ich habe so viel mehr als erwartet von meiner Familie bekommen und mich unglaublich über die liebevollen, durchdachten Geschenke gefreut: unter anderem Mumin-Geschirr, ein T-Shirt in Finnland-Farben und einen Plastikschlitten (weil jedes finnische Kind irgendwann einen bekommt).
Nach der Bescherung bin ich mit meinem Gastvater spazieren gegangen, da wir das wunderschöne Wetter krank- und stressbedingt am Tag nicht ausnutzen konnte. Und dann, so schnell, war Heiligabend auch wieder zu Ende. Und ich hatte eine wunderschöne Zeit. Nachdem meine Familienmitglieder ins Bett gegangen sind, habe ich meine deutsche Familie per Skype angerufen, bei denen noch viel los war. Jetzt hatte ich das Gefühl, ich könnte mit ihnen reden, ohne wieder in Tränen auszubrechen, weil ich nicht bei ihnen sein kann.
Weihnachten ist etwas sehr besonderes. Vor allem in meiner Familie. Dauernd verändern sich Dinge, es gibt kaum Gelegenheiten, wo wir uns alle sehen. Aber Weihnachten ist seit Jahren voller Gewohnheiten und Traditionen. Inklusive meiner Panik, das Essen nicht rechtzeitig fertig zu bekommen, meinem Onkel, der immer zu spät kommt, meiner Oma, die jedes Mal anfängt zu weinen, wenn ihr jemand was schenken möchte und der Tatsache, dass an irgendeinem Punkt des Abends Griechischer Wein gespielt wird. Das alles dieses Jahr nicht miterleben zu können hat mich sehr traurig gemacht.
Doch gleichzeitig ist Weihnachten hier auch so etwas besonderes. Auch meine Familie hier hat Traditionen und dass sie mich dort einfach so mit einbezogen haben ist großartig. Ich finde, bei einem so persönlichen Familienfest wie Weihanchten dabei zu sein, lässt einen nochmal mehr zusammenwachsen. Ich wusste, dass dieses Weihnachtsfest einzigartig für mich ist und habe es so noch mehr genossen. Und ich bin meiner Familie so dankbar, für die wundervolle, mit Liebe gefüllte Zeit, die sie mir verschaffen haben.
Was übrigens auch wunderschön war, waren die Weihnachtskarten oder Plätzchen, die ich in der Schule von verschiedenen Freunden bekommen habe. Solche Kleinigkeiten haben mich so glücklich gemacht, und es ist unfassbar, in welch kurzer Zeit man Menschen so sehr lieben und in sein Herz schließen kann.
Also, zusammenfassend würde ich sagen, dass Weihnachten ganz bestimmt eine der schwersten Zeiten ist, wenn man im Ausland ist. Man denkt viel an seine Familie und es ist vollkommen okay, traurig zu sein.
Doch gleichzeitig ist Weihnachten auch eine der schönsten Zeiten, die man mit seiner neuen Familie und seinen Freunden verbringen kann.
Und ich wusste die ganze Zeit über, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin, und dass da immer Menschen sind, die mich verstehen und mit denen ich reden kann.

Ich freue mich schon, nächstes Weihnachten wieder in Deutschland zu sein aber ich weiß auch, dass ich dann vermissen werde, was ich hier kennengelernt habe - vor allem den Santa der Probleme hatte Geschenke richtig zuzuteilen.

Ganz viele Liebe und ein gutes neues Jahr!
Lona

***

...at least during an exchange year. At least that´s what everyone told me. I never really wanted to believe that. Now it´s December the 26th, Christmas is basically over and I have to say yes and no. Christmas is the worst time but also it isn´t. It´s sad and wonderful at the same time. 
While I started listening to Christmas songs when it frst snowed in October, the festive mood didn´t really hit me in December. But anyway I enjoyed baking pipari (gingerbread) with my family, going to the Christmas singing in the church or decorating the Christmas tree. 
My mum had sent me a Christmas calender and I got two (!) from my Finnish family. I wasn´t homesick for the whole time and I already thought my worst time would definetely not be Christmas. Unfortunately I became really sick for the first time since I´m in Finland, punctual on the 23rd. I figured, I would feel a little bit homesick, when I`m sick for the first time and the fact that it happened exactly on Christmas could only be bad luck. I personally start to get extremely vulnerable as soon as I´m sick and when my mum sent me a video of their Christmas tree I cried for at least half an hour over that. But luckily my family here was really loving. They always asked how I feel, told me to take naps and my little brother gave me a lot of extra hugs. But all the exchange students I talked to, including me, had a "hopefully this will be over soon"-feeling about Christmas.
Due to a headache, sadness over not being with my family in Germany and my usual sleeping problems I had solid two hours of sleep to survive the day of Christmas Eve. But there´s coffee and there are painkillers and against expectations I was feeling a lot better and really enjoying the time. We spent the first half of the day with last preparations and Christmas movies and had rice porridge for lunch. Whoever finds the almond can make a wish. I didn´t but anyway all my wishes and even more were fulfilled.
After lunch we went to the graveyard to light candles for loved ones - a beautiful tradition in my opinion.
Then it was time for Christmas sauna and finally Christmas dinner.
We had fish, potatoes, pastries, ham and salad made of beetroot, apple, pickles and onions. I tried everything and even though I would still prefer raclette (like my family always eats it instead of the traditional German Christmas food) it was really good.
After that, the famous Santa Claus (aka my little brother) came to visit us. He listened to our song, reassured that we have been good kids and gave the presents. I got so much more than I expected and everything was really lovely and thoughtful picked: for example moomin dishes, a t-shirt in Finland colours or a plastic sledge (because every Finnish kid gets one at some point).
Eventually I went for a walk with my Dad, because we missed to enjoy the beautiful weather during the day. Then it was already over. And I have had a blast.
After my family went to bed I had time to skype call my German one. I finally felt like I could talk to them without bursting into tear because I couldn´t be with them.
Christmas is something really special. Especially for my family. Everything changes, the occasions where we can be all together are rare. And for years, Christmas and all its habits have been the same and almost holy to us. Including my uncle always being late, the song Griechischer Wein playing at some point of the evening, my granny crying every time someone gives her a present and me panicking about how we wouldn´t get the food ready in time. Not being there this year made me really sad.
But then again Christmas here is something so special too. My family here has traditions as well and they just took me into this, which is great. Sharing the experience of a personal family celebration, like Christmas, makes you grow even closer. I knew, this Christmas would be unique for me and I enjoyed it even more because of that. And I`m so thankful for my family here, who filled this time with love and care and made me feel at home during every second of it.
What was wonderful as well were the Christmas cards and cookies several friends in school handed me. These small gestures made my day every time and it´s amazing in what short time you can grow to love people so much.
Concluding I would say, Christmas can definetely be a hard time for exchange students. You probably think about your home country a lot and it´s okay to be sad.
But it can also be one of the best times to spend with your new family and friends.
For my part I knew the whole time that I wasn´t alone with my feelings and that there were people who understand me and who I could talk to.
I´m looking forward to be with my German family again on next year´s Christmas, but I also know that I then will miss the things I got to know here - especially Santa Claus with his issues to allocate the presents to the right persons.

Much love and a happy new year!

Lona

Christmas dinner

the most perfect Christmas weather

Samstag, 16. Dezember 2017

Suomi Sata - Happy Birthday Finland!

 (English version below)

"Oi maamme, Suomi, synnyinmaa,
soi, sana kultainen!
Ei laaksoa, ei kukkulaa,
ei vettä, rantaa rakkaampaa,
kuin kotimaa tää pohjoinen,
maa kallis isien!" 
Oder übersetzt
"O Heimat, Finnland unser Land
Kling laut, du teures Wort!
Kein Land, so weit der Himmelsrand.
Kein Land mit Berg und Tal und Strand
Wird mehr geliebt als unser Nord,
Hier unsrer Väter Hort."
Das ist die erste der elf Strophen der finnischen Nationalhymne, welche ich in der letzten Woche ziemlich oft gehört und gesungen habe (zu meinem Glück wird bei Anlässen immer nur die erste und die letzte Strophe gesungen). Der Mittwoch letzter Woche, der 6.12., war ein Feiertag in Finnland. Und zwar ein ganz besonderer. Der nationale Unabhängigkeitstag. Und was diesen Tag dieses Jahr noch besonderer macht ist, dass Finnland dieses Jahr 100 Jahre alt geworden ist. Vor exakt hundert Jahre, 1917, wurden sie endlich als unabhängig erklärt und gehörten von da an weder zu Schweden noch zu Russland oder zu sonst irgendeinem Staat. Ich habe großes Glück, genau dieses Jahr hier zu sein, denn es ist etwas sehr spezielles. Die ganze Zeit schon gab es alles mögliche in Suomi Sata ("Finnland 100") Version. Schokolade, Geschirr, T-Shirts, Konzerte... Der Musical-Kurs an meiner Schule, an dem auch ich teilnahm, performte eine Art Improvisationsstück, mit einer musikalischen Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte. Schon Wochen vorher wurde auf dem Schulgelände mit blauen und weißen Papieren und einer Menge Schülern die finnische Flagge und die Zahl 100 geformt. Und mit meiner Tanzschule haben wir die Geschichte eines sehr bekannten finnischen Buches, die Kalevala, in Tänzen erzählt.
Und, weil es so eine einmalige Sache ist, haben wir das nicht nur Mittwoch, sondern gleich eine ganze Woche zelebriert. 
Statt normalen Kursen in der Schule hatten wir eine sogenannte Juhlaviikko, also "Feierwoche". Jeder Schüler bekam ein Papier in die Hand gedrückt (natürlich auch mit passendem Suomi 100 Aufdruck) und machte sich auf den Weg durch verschiedene Workshops oder Vorträge. Beipspielsweise hat irgendjemand einen langes, dramatisches Video über Finnlands Präsident*innen gemacht, ein finnischer Paralympics-Star, Toni Piispanen, hat eine Rede gehalten, oder es wurden Plakate zur finnischen Geschichte gestaltet. Auch außerhalb der Schule hatte meine Woche viel mit dem Unabhängigkeitstag zu tun. Montag hatte mein Gastbruder eine kleine Feier in seiner Schule. Als er ein finnisches Lied gesungen hat, hab ich mich wirklich wie eine stolze große Schwester gefühlt und der etwa 10-jährige Junge, der hinter dem Buffet saß, hat mich ermahnt, weil ich angeblich zu viel Schokoladenbonbons genommen habe... 
Dienstag hatten wir dann eine Feier in meiner Schule. Wir sollten uns "ordentlich und schön" anziehen, denn gleichzeitig haben auch einige Leute ihre Abschlusszeugnisse bekommen (wenn man in drei Jahren nicht fertig wird mit seinen Prüfungen, kann man sein Abi hier auch nach dreieinhalb oder vier Jahren machen). Alles war in blau-weiß dekoriert und die Tische in der Cafeteria waren schön gedeckt. Zur Feier des Tages gab es für alle Kuchen zum Nachtisch, bevor die Zeremonie anfing. Für mich war diese Zeremonie etwas ganz neues und sehr interessantes. Als erstes wurde ein vom Nationalkomponisten komponiertes Stück gespielt und alle mussten aufstehen, als die Flagge feierlich hereingetragen wurde. Mit zwei Mädchen in traditioneller Uniform dahinter. Dann wurde die sogenannte "Message of Freedom", eine Nachricht der Kriegsveteranen für die nächsten Generationen, verlesen und ganz offiziell von den ältesten Schülern an die ein Jahr jüngeren weitergegeben. Nachdem eine Schülerin und die Schulleiter der Junior High und der High School Reden gehalten haben, haben die Abiturient*innen ihre Zeugnisse bekommen, eine Rose und eine Mütze, die so aussah, wie eine Matrosenmütze. Danach wurde gesungen, das Flaggenlied und die Hymne. Ich war die ganze Zeit sehr berührt. In Deutschland erlebt man dieses Feiern der Nationalität nie wirklich. Ich kannte es nicht, dass die Hymne in der Schule gesungen wird, dass irgendjemand feierlich eine Flagge hisst oder dass am Unabhängigkeitstag jeder Bilder auf sozialen Netzwerken postet, um zu zeigen, wie glücklich und stolz man auf sein Land ist. Ich habe nie ein Gefühl gehabt, stolz darauf zu sein, Deutsche zu sein. Ich habe das nie als meinen Verdienst gesehen, mich nie wirklich damit identifiziert. Doch umso schöner und herzerwärmend war es, hier zu erleben, wie die Menschen ihr Land und dessen Unabhängigkeit gefeiert haben. Und ein bisschen vergessen, dass ich ja eigentlich gar keine Finnin bin, konnte ich schon, als wir bei unserer Musicalaufführung aus tiefstem Herzen "On pohjantähden alla, tää koti mulla mainen, mä elämästä laulan, sillä oonhan suomalainen" ("Here under the pole star, there is that earthly home of mine. Singing about life, because I am Finnish") gesungen haben. Nach der Feier habe ich zuhause nur mein Kleid gewechselt und dann sind meine Gastfamilie und ich zu einer befreundeten Familie gefahren, die eine Unabhängigkeitsparty gescmisssen hat. Mit blau-weißen Kerzen und "Happy Birthday Finland" Kuchenstücken. Jede Familie sollte etwas vorführen und obwohl ich kein Wort verstanden habe, waren der Rap über Finnland, das moderne Puppentheater des Nationalbuches "Kalevala" und die tänzerische Reise durch die verschiedenen Epochen sehr beeindruckend und wir hatten einen super schönen Abend. Den Mittwoch dann, den eigentlichen Feiertag, an dem niemand zur Arbeit oder zur Schule musste, haben wir bei der jährlichen Cheerleading-Vorführrung meiner Schwester verbracht. Dann haben wir Kerzen auf dem Friedhof aufgestellt und schließlich, ganz traditionell, im Fernsehen gesehen, wie der Präsident und seine Frau ganzen 1600 Menschen die Hand schütteln und einen schönen Unabhängigkeitstag ("Hyvää itsenäisyyspäivää") wünschen. 
Jetzt hängen immer noch Girlanden in unserer Schule, aber das meiste ist vorbei. 
Ich hatte eine großartige Woche und bin so dankbar und glücklich, dass ich das erleben durfte. 
Natürlich musste auch ich am Mittwoch ein Bild posten und diesem Land danken. Dieses Land, in dem ich das bis jetzt wahrscheinlich beste Jahre meines Lebens verbringe. Dieses Land, das mir schon so viele neue, unglaubliche Sachen gezeigt und gelehrt hat und dieses Land, das ich, nicht trotz, sondern auch wegen seiner Kälte, seiner Dunkelheit, seiner Macken, seiner Sprache, so sehr liebe. Das Land, das ich für keinen anderen Ort als meine zweite Heimat eintauschen wollen würde. 

***

"Oi maamme, Suomi, synnyinmaa,
soi, sana kultainen!
Ei laaksoa, ei kukkulaa,
ei vettä, rantaa rakkaampaa,
kuin kotimaa tää pohjoinen,
maa kallis isien!"

 or translated

"Oh our land, Finland, land of our birth,
ring out, the golden word!
No valley, no hill,
no water, shore more dear
than this northern homeland,
precious land of our fathers."

This is the first of eleven verses of the Finnish national anthem. I heard and sang that plenty of times last week (lucky me, they only sing the first and the last verse on official occasions). Last weeks Wednesday, the 6th of December, was a holiday in Finland. And a really special one. It was the National Indepence Day. And the fact that Finland finally became independet from Russia and Sweden exactly hundred years ago, made the day even more special this year. I´m really lucky to be here in this year, because it´s a really big thing. Since I´m here I could find items related to Suomi Sata ("Finland Hundred") everywhere. Chocolate, dishes, clothes - even festivals and concerts... The musical club of my school, in which I participated, did an anniversary musical, with traveling back in time, singing songs from different decades. Weeks before a lot of students formed the Finnish flag with white and blue papers on the school yard. And my dance school performed the story of a really famous Finnish book, the Kalevala.
And because your country turning 100 is such a unique thing, we didn´t just celebrate on Wednesday, we celebrated the whole week. 
Instead of normal classes in school we had a Juhlaviikko (celebration week). Every student got a sheet of paper (of course with Suomi 100 print) and went through different workshops and presentations. For example we watched a long and dramatic video about Finlands presidents, a national hero, the paralympics-champion Toni Piispanen held a speech or we made posters about Finnish history. 
But outside of school my week had a lot to do with the Indepence Day as well. On Monday afternoon my brother had a small celebration in his school. When he sang a  Finnish song, I truly felt like a proud sister and the approximately ten year old boy behind the buffet admonished me for taking too much chocolate...
On Tuesday we had a celebration in my school, which was combined with the graduation of some people (when you can´t finish your high school studies in three years you can graduate after three and a half or four years). We were told to dress nicely, everything was decorated in blue and white and the lunchtables were set. Celebrating the day we got cake for dessert before the ceremony started. For me the ceremony was something completely new and really interesting. First, a piece of music composed by the national composer was played and everyone had to stand up as the flag was brought into the auditorium. Then the "Message of Freedom" was read out loud. It´s a message from the war veterans that tells the next generations to keep fighting for their rights and their freedom. As a tradition it is officially given to the younger students by the seniors every year on the Independence Day celebration. After a student and the principals held a speech, the graduates got their final grades, flowers and a hat that looked like a sailor cap. In the end, we sang. The flag song and the national anthem. I was kind of touched the whole time. Coming from Germany, this whole "celebrating my nationality" thing was unknown to me. I never sung the anthem in school (or at all), I never experienced someone solemnly raising a flag or people posting pictures everywhere on the Indepence Day, to show how much they love their country and how proud they are. I never thought I was proud to be German. I never saw that as something I achieved, I never really identified myself with that. But that made it even more beautiful and heart warming to see, how people celebrated their country and its independence. And I could almost forget that I´m actually not a Finn during our musical performances, when we sang "On pohjantähden alla, tää koti mulla mainen, mä elämästä laulan, sillä oonhan suomalainen" ("Here under the pole star, there is that earthly home of mine. Singing about life, because I am Finnish") with all our heart. 
I only changed my dress after the celebration, then my host family and I went to another family who threw an Independence Day party. With blue and white candles and "Happy birthday Finland" inscription on the cake. Every family had to perform something and even though I didn´t understand much, the rap about Finland, the puppet theatre of the "Kalevala" or the dances from different epochs were great and we had a really nice evening. 
The Wednesday, the actual holiday, where no one had to go to work or to school, we spent at the annual cheerleading performance of my sister. We also went to the graveyard to light some candles and in the evening we watched the president and his wife on TV, shaking 1600 thousand hands and wishing a good Independence Day ("Hyvää itsenaisyyspäivää"). 
Now there are still some garlands in our school, but most of Suomi Sata is over. 
I´ve had an awesome week and I´m so happy and thankful that I was able to experience that. And of course I also had to post a picture on Wednesday to thank this country. This country, that is my home, for the so far best year of my life. The country that already showed and taught me so many new, incredible things. The country that I love so much, not even though, but also because of its cold, its dark, its oddness and its language. The country that I would´t trade for any other one to be my second home. 






Dienstag, 28. November 2017

Laptops, PISA-Sieger, Chaos - was denn nun? Schule in Finnland

(This is a super long post about school in Finland that I was too lazy to translate. It basically compares school here to the school in Germany and I might write a short Egnlsih version of it next week. But for now I´m sorry for everyone who won´t understand.)

Wenn man "Schule in Finnland" googelt findet man Ergebnisse von PISA-Tests, bei denen die Schüler aus dem Norden jahrelang als einer der besten abschnitten, Artikel, die die Gruppenarbeit und das individuelle Fördern der Finnen als Vorbild loben und dann Schlagzeilen wie "Ende des Bildungswunders" und "die Wahrheit über finnische Schulen". Obwohl ich viel von der finnischen Schule gehört habe, hatte ich keine besonderen Erwartungen. Etwa eine Woche nach Schulbeginn saß ich da und dachte "Ähm okay? Das soll es also sein?". Denn zu dem Zeitpunkt hätte ich zuletzt genannten, entthronenden Schlagzeilen zugestimmt. Ich saß im Matheunterricht mit Zehntklässern, die Rechnen mit negativen Zahlen lernten, ich machte Hörverstehen Übungen mit Zwölftklässlern in Englisch, die etwa dem Niveau der Mittelstufe in Deutschland entsprachen, bei denen die Schüler aber um ein wiederholtes Hören baten und ich saß in Klassen, wo die Hälfte der Finnen an ihren Laptops Candy Crush spielte oder online shoppte, anstatt das Essay zu schreiben.Wie kann es sein, dass diese Schüler so gut sind, fragte ich mich. Ich hatte das Gefühl, sie waren mindestens zwei Jahre zurück, die Lehrer waren inkonsequent und die Schüler nicht wirklich respektvoll. Jetzt, drei Monate später sitze ich hier und denke "Wow. Irgendwie funtkioniert das richtig gut so."
Finnische Schule? Was ist das eigentlich, ist es so gut oder so schlecht wie alle sagen und was sind meine Erfahrungen.? Darüber möchte ich heute schreiben.
Die Schullaufbahn eines Kindes in Finnland beginnt mit 6 oder mit 7 Jahren, was bedeutet, dass die Zehntklässler hier genau in meinem Alter sind - denn in Deutschland wird man mit 5 oder 6 eingeschult. Die Grundschule geht sechs Jahre, danach drei Jahre Junior High School und nochmal drei Jahre High School, wobei häufig beide in einem Gebäude oder beieinander untergebracht sind. Die Fächerauswahl ist ungefähr so wie in Deutschland, es gibt jedoch einige besondere Fächer, wie Health Education, Social Studies, Psychologie und Student Counseling für jeden. Doch statt ungefähr 7 mal 45 Minuten am Tag haben die Schüler hier 3-5 mal 75 Minuten Unterrichtsstunden. Jedes Fach dreimal pro Woche, 6-8 Kurse zu einer Zeit. Diese Kurse wechseln dann alle 5 bis 6 Wochen, wenn ein Abschnitt zu Ende geht. Am Ende jedes solchen Abschnittes gibt es eine Woche für die Examen. Jeden Tag ein Examen, das klingt hart, aber dafür hat man in dieser Woche auch keinen anderen Unterricht und keine anderen Hausaufgaben. Genau sagen, wie stressig Schule in Finnland ist, kann ich nicht, da ich ziemlich gut mit meinen Austauschschüler-Privilegien lebe, kaum Hausaufgaben machen muss und auch nicht benotet werde. Es gibt oft Hausaufgaben, doch dann wieder erzählt mir eine Freundin, sie haben 5 Stunden Zeit, ihr Finnischexamen zu schreiben. Wieviele Wörter gefordert sind? So um die 700. Eine ganz normale Wortanzahl für einen Aufsatz, den wir in Deutschland ganz gewohnt in 90 Minuten schreiben. Manchmal habe ich das Gefühl, die Lehrer unterfordern die Schüler ein wenig. Für mich war es ganz normal in verschiedensten Fächern Präsentationen zu halten, auch alleine, auch zwanzig Minuten lang. Als uns diese Aufgabe hier im Englischunterricht gegeben wurde, schien es wie ein riesiges Drama für die finnischen Schüler. Als ein Mädchen um 5 statt 10 Minuten Vortragszeit bat, hat die Lehrerin nur genickt und die Endergebnisse waren für mich auch mehr so, als hätte sie mein kleiner Bruder gemacht. Aber trotzdem scheinen die Schüler nicht faul zu sein oder nichts zu lernen. Ich habe meinen Mathekurs nach der ersten Stunde gewechselt. Die Elftklässler machen genau das, was ihre Jahrgangsstufe in Deutschland macht. Für jeden Kurs gibt es ein Buch, welches durchgearbeitet wird. Jede Stunde ein neues Kapitel, ein Video dazu sehen, Aufgaben bearbeiten und alle zwei Wochen ein kleiner Test. Was man nicht in der Stunde schafft, wird halt zuhause gemacht. Die Klasse arbeitet eigentlich immer selbständig, der Lehrer wird nur bei Fragen angesprochen. Generell habe ich das Gefühl, dass finnische Schüler sehr selbstständig und eigenverantwortlich sind. Eines Tages war die Cafeteria während meiner Freistunde ungewöhnlich voll. Ein Lehrer fehlte und die Stunde fiel aus. Statt jedoch Serien zu gucken, zum Supermarkt zu gehen oder was auch immer ich in meiner Freistunde mache, saß die ganze Gruppe da und arbeitete an ihren Laptops. Und manchmal kommt es auch vor, dass der Lehrer nur eine Aufgabe stellt und dann alle aus dem Raum verschwinden um an bequemeren Orten zu arbeiten. Mit den Laptops, natürlich. Meine Schule ist nicht so modern wie andere. Das heißt, wir haben noch Bücher und wenn jemand, so wie ich, seinen Laptop nicht jeden Tag mit zur Schule bringen will, dann ist das auch kein Problem. Doch sie werden gebraucht und genutzt. Und das hat einige Vorteile. Zum einen, klar, man kann auch einfach mal Zalando durchstöbern, wenn man keine Lust auf Geschichte hat. Zum anderen aber geht zum Beispiel ein Freund von mir für eine Weile ins Ausland und er kann all seine Schulaufgaben einfach übers Internet machen. Das heißt, er muss auf keine andere Schule im Ausland gehen, er muss nichts wiederholen oder vorarbeiten, sondern kann einfach mit seinen Mitschülern mitlernen.
Im Allgemeinen ist Schule hier ein ganz anderer Ort, als ich es kannte. Es gibt Schließfächer, aber es gibt auch Gaderobenhänger in den Gängen, wo Leute nicht nur ihre Jacken, sondern auch ihre Motorrollerhelme und ihre Sporttaschen den ganzen Tag lassen. Manche ziehen auch, vor allem jetzt, bei nasskaltem Wetter, ihre Schuhe aus. Ein Schultag in Wollsocken ist schon automatisch besser, finde ich. Wir haben einen Raum mit Musikboxen und Sitzsäcken, wo man seine Pausen verbringen kann. Überall gibt es Waschbecken und den ganzen Tag Milch und Wasser zu trinken. Auch die Räume in denen unterrichtet wird, sind viel persönlicher, da jeder Lehrer einen eigenen Raum hat und die Schüler für jeden Kurs wechseln. So können die Lehrer ihr Klassenzimmer ganz nach ihrem Geschmack einrichten und dann findet man schonmal Queen Elizabeths Gesicht an der Wand oder Zeitungsartikel, die den Lehrern gefallen haben. Ich finde das auch deshalb schön, weil man so etwas mehr über die Lehrer erfahren kann. Die Lehrer, die hier meistens nur ein Fach, manchmal zwei unterrichten -  was bedeutet, dass es für eine High School mit 350 Schülern (wie meine) nur zwei Englischlehrer gibt und sogar nur eine Musiklehrerin. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist jetzt nicht unbedingt freundschaftlich, aber doch viel lockerer. Man spricht sie mit "du" und Vornamen an - oder einfach "ope", kurz für "opettaja", Finnisch für "Lehrer" und dadurch das die Kurse oft viel kleiner als in Deutschland sind, ist die Atmosphäre eine ganz andere. Aber das kommt natürlich immer noch auf den Lehrer an. Doch ich habe das Gefühl, dass die Lehrer hier mehr so eine Art Anleitfigur sind, die aber nicht zwingend alles machen und die ganze Stunde reden und erklären. Vor allem im Sportunterricht ist mir das aufgefallen. Statt, wie in Deutschland, jede Sportart drei Wochen lang zu praktizieren, ewig an der Technik zu arbeiten, die sowieso nicht besser wird, am Ende riesigen Stress zuhaben, weil es in irgendeiner Form benotet wird - hier gefällt es mir so viel besser. Manchmal bekommen wir einfach Karten und werden losgeschickt in den Wald für Orienteering, manchmal bekommen wir Federballschläger und dürfen 60 Minuten wirklich spielen und manchmal machen wir eisernes Crossfit-Training. Es ist freier und es wird mehr darauf vertraut, dass die Schüler "das schon machen". Am Ende der Schullaufbahn kann jeder Schüler wählen, wieviele finale Examen, sogenannte Matriculation Exams, er schreiben möchte. Mindestens 4, die meisten nehmen 5 oder 6. Finnisch muss dabei sein und Schwedisch oder Mathe. Den Rest kann man sich aussuchen. Anders als in Deutschland müssen diese jedoch nicht in einem Rutsch erledigt werden. Am Ende der elften Klasse kann man beginnen, dann gibt es Termine im Herbst der zwöften Klasse und nachdem die Schule für den letzten Jahrgang im Februar endet und es zwei Monate zum Lernen gibt, die letzen Examen. Ich habe mich so lange gewundert, wieso alle so entspannt dabei waren und es wirkte, als wäre es wirklich keine große Sache, bis mir jemand erzählt hat, dass die finnischen Schüler sich nicht mit ihrem Abi an Universitäten bewerben. Dafür gibt es dann wieder eigene Aufnahmeprüfungen, verschieden für jede Uni. Kein Wunder also, dass sie das nicht so sorgt.
Das war jetzt so viel Information und ich habe immer noch nicht erzählt, wie ich die Schule eigentlich persönlich finde. Ich gehe gerne zur Schule, an manchen Tagen mehr, an manchen Tagen weniger. Die Tage, an denen ich nur da sitze und nichts mache, sind eigentlich die schlechtesten. Mir gefällt es, dass ich durch die neuen Kurse alle paar Wochen immer wieder neue Menschen kennenlerne. Ich weiß jetzt schon, dass ich es in Deutschland so vermissen werde, jeden Tag um 11.15 Uhr kostenloses Lunch zu bekommen - auch wenn es manchmal nicht besonders lecker ist. Die Lehrer bemühen sich alle, uns Austauschschüler zu integrieren. Mein Mathelehrer kommt mindestens zweimal in der Stunde zu mir und fragt, wie es läuft. Ich glaube allerdings, er hält mich für ziemlich bescheuert. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass er dazu tendiert, mir in den Momenten über die Schulter zu gucken, in denen ich mal nicht die Textaufgaben übersetze, sondern Snaps beantworte. Oder weil ich, obwohl ich im Unterricht gut mitgekommen bin, im Examen nur Bahnhof verstanden habe und ein "Sorry, ich habe alles versucht" hinzugefügen musste. Aber alles in allem glaube ich, dass das Konzept Schule hier besser ist als in Deutschland. Natürlich hat es auch seine Haken, aber ich denke, es funktioniert ganz gut so und zumindest für mich als Austauschschüler ist es sehr angenehm. 

Ansonsten geht es mir hier immer noch sehr gut. Ich bin momentan sehr beschäftigt mit Muscial- und Tanzproben, Präsentationen, und damit, anzufangen, mir Sorgen über Weihnachtsgeschenke zu machen. Die erste Zeit, in der ich mich ein wenig unmotiviert gefühlt habe, habe ich schon überstanden und auch den ersten Abend mit Heimweh. Letzte Woche habe ich zum ersten Mal wirklich gemerkt, wie früh es schon dunkel ist und es hat mich zum ersten Mal deprimiert. Aber: in vier Wochen werden die Tage schon wieder länger!!! Ich warte immer noch auf den nächsten Schnee und nächstes Wochenende geht es nach Turku. Ich hab euch alle sehr lieb und ihr fehlt mir. Lona. 



Ein Teil der Cafeteria

Huiyin, eine Austauschschülerin aus China, und ich, an unserem ersten Tag in der Schule